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Mein Weg in die Selbstständigkeit

André Binroth

Es ist lange her, dass mein Vater mich 1978 an die Hand nahm und mit mir zu einem Vorstellungsgespräch bei einem alteingesessenen Hamburger Installateur in der Nachbarschaft ging. Ich war damals ein 14 Jahre alter „Hamburger Jung“ aus dem Westen der Stadt und in dem kindlichen Alter so gar nicht einverstanden mit der Entscheidung meiner Eltern. Doch was sein musste, musste sein, und ich zog das Ganze durch! Teilweise kritisch beäugt von ehemaligen Mitschülern, die eine „saubere“ Ausbildung in der Bank oder Versicherung machten – doch die Zeiten änderten sich! Nachdem ich im Anschluss an die Ausbildung noch einige Jahre als Geselle in meinem Ausbildungsbetrieb tätig war und schließlich auch den Meistertitel erworben hatte, bot man mir sogar die Übernahme des Betriebes an, doch … ich lehnte ab, ich fühlte mich der Aufgabe noch nicht gewachsen!

Nun fasste ich jedoch den Entschluss, andere Betriebe kennenzulernen und bewarb mich als Meister bei verschiedenen Installateuren Hamburgs. Im zweiten Anlauf startete ich 1993 als Gas-/Wasserinstallateurmeister bei der Distelmaier GmbH, unter damaliger Führung des Inhabers Günther Distelmaier. Hier folgten spannende Jahre in wirtschaftlich starken Zeiten. Man stelle sich vor: Ich brachte damals den ersten Computer mit ins Unternehmen – heute fast unvorstellbar, mal ohne diesen gearbeitet zu haben. Ich lernte viel in den Jahren, und sie ließen mich nicht nur technisch, sondern vor allem menschlich reifen, sodass ich dieses Mal nicht „nein“ sagen musste als Herr Distelmaier mich nun fragte, ob ich den Betrieb übernehmen wolle.

Ich wagte den Schritt in die Selbständigkeit, die in unserer Familie Tradition hat und fand nach einiger Zeit sogar eine Frau, die mich seitdem tatkräftig in der Unternehmensführung unterstützt. Nicht immer war der Weg glatt, denn die schweren Jahre sollten erst noch kommen. Wichtige Großkunden brachen durch Spekulationsgeschäfte weg bzw. lösten sich auf, andere gute Kunden fusionierten, sodass plötzlich 50% des Umsatzes in Gefahr war. Ich hatte Angst um meine Existenzgründung und Existenzangst, denn die Darlehensrückzahlung an die Banken musste weiterhin erfolgen. Gemeinsam mit meiner Frau, die als Betriebswirtin die Fäden im Hintergrund zog, und dem Einsatz unseres langjährigen Meisters Jan Maak, gelang uns jedoch das Kunststück, die Einbußen binnen kürzester Zeit zu kompensieren. Es musste vieles bewegt werden: Abläufe wurden vollständig umgestellt, ein Umzug der gesamten Firma erfolgte, letztendlich mussten neue Kunden her! Unsere langjährigen Mitarbeiter haben dabei in allen Situationen mitgezogen und maßgeblich dazu beigetragen, dass die Qualität auf dem hohen und modernen Stand der Technik bis heute gewährleistet ist!

Heute wissen wir, dass uns die Krise stark gemacht hat, und ich weiß, dass an so manchen gut gemeinten Ratschlägen vom „alten“ Herrn Distelmaier einiges dran war.

Heute bin ich stolz auf das, was entstanden ist! Vertraut man dem Innovations-Check der Handwerkskammer und verschiedenen Unternehmensvergleichen der Innung, von Softwareberatern und Coaches, so ist es gelungen einen modernen, gut strukturierten und organisierten Handwerksbetrieb zu schaffen, von denen es nicht viele in Hamburg gibt!

Und vielleicht hat ja mein Sohn in vielen Jahren einmal Lust darauf, diesen weiter zu formen … aber nur, wenn er auch Spaß daran hat!